Technische Großtierrettung: Warum Standard-Dreibeine an ihre Grenzen stoßen und wie wir die Lücke schließen

Technische Großtierrettung: Warum Standard-Dreibeine an ihre Grenzen stoßen und wie wir die Lücke schließen

Ein Pferd in der Güllegrube, der Kran kommt nicht hin, der Frontlader steht vor rechtlichen und geografischen Hürden. Wir analysieren nüchtern, warum die Großtierrettung im deutschen Feuerwehrwesen spezielles Gerät erfordert und wie das Bautri Rescue System 3,3 Tonnen Hubkraft mobil macht.

Die Rettung von Großtieren – als Tiere mit einer Körpermasse von über 200 Kilogramm – stellt Einsatzkräfte in Deutschland vor eine massive Diskrepanz zwischen Auftrag und Ausrüstung. Während die Kleintierrettung zum Standardrepertoire gehört, offenbarte die „Technical Large Animal Emergency Rescue“ (TLAER) erhebliche Fähigkeitslücken.

Als Hersteller des Bautri Rescue Systems haben wir den Status quo im DACH-Raum analysiert. Dieser Artikel beleuchtet transparent die technischen Risiken, die rechtlichen Fallen der Improvisation und eine Lösung, die Sicherheit und Wirtschaftlichkeit verbindet.

1. Die unterschätzte Gefahr: Physiologie und Masse

Warum ist eine Kuh kein „schwerer Sandsack“?

Die Rettung lebender Großtiere unterscheidet sich grundlegend von der Bergung nach Lasten:

  • Das Gewichtsproblem: Ein Warmblutpferd wiegt 500–700 kg, ein Rind oft bis zu 800 kg.
  • Der Saug-Effekt: In Güllegruben oder Morast addiert sich die Saugkraft des Mediums. Ein 600 kg schweres Rind kann im Schlamm eine effektive Zuglast von über 1.000 kg erzeugen.
  • Dynamik: Ein panisches Tier erzeugt durch Abwehrbewegungen Lastspitzen, die das Drei- bis Fünffache des Körpergewichts betragen können.

Das medizinische Risiko: „Rettet den Tod“

Eine „Crash-Rettung“ (Ziehen an Beinen oder Kopf) führt oft zur Stressmyopathie. Zerstörte Muskelzellen fluten die Nieren, was zum Nierenversagen und Tod nach der Rettung führt. Eine fachgerechte, vertikale Hebung ist daher kein Luxus, sondern Tierschutzpflicht.

2. Technik-Check: Was steht im Gerätehaus?

Viele Feuerwehren und THW-Ortsverbände verlassen sich auf Standardausrüstung oder Improvisation. Unsere Analyse zeigt, warum dies oft in eine Sackgasse führt.

Das DIN-Dreibein (EN 795)

Auf Rüstwagen (RW) finden sich oft Dreibeine zur Absturzsicherung.

  • Das Problem: Sie sind zertifiziert für Menschen (ca. 300 kg Bruchlast). Ein 800 kg schweres Rind überlastet diese Systeme sofort statisch.
  • Die Folge: Dynamische Laststöße führen unweigerlich zum Strukturversagen. Der Einsatz für Großtiere ist ein klarer Verstoß gegen die Betriebsanleitung und die Unfallverhütungsvorschriften (UVV).

Das Einsatz-Gerüst-System (EGS) des THW

Das modulare EGS gilt oft als universelle Lösung, birgt aber eine gefährliche Fehleinschätzung.

  • Der Irrtum: Es wird angenommen, dass die Gerüstrohre automatisch tonnenschwere Lasten tragen.
  • Die Fakten: Ein Standard-Dreibock (Bausatz 1), wie er extern schnell aufgebaut wird, ist oft nur mit einer zulässigen Belastung von 3 kN (ca. 300 kg) im senkrechten Zug angegeben.
  • Das Risiko: Diese Lastgrenze liegt weit unter dem Eigengewicht eines Pferdes oder Rindes. Das System ist für die Kräfte einer Großtierrettung in dieser Konfiguration nicht zugelassen. Verstärkte Bauweisen sind möglich, erfordern aber statische Nachweise und viel Zeit – Zeit, die man bei einem im Schlamm versinkenden Tier nicht hat.

Der landwirtschaftliche Frontlader

Oft das Mittel der ersten Wahl – doch neben der fehlenden Feinfühligkeit der Hydraulik gibt es zwei massive Probleme:

  • Fehlende Zugänglichkeit: Ein Traktor ist mächtig, aber ortsgebunden. Er scheitert an steilen Abhängen, auf schmalen Wanderwegen im Wald oder in engen, verwinkelten Stallgassen, wo viele Notfälle passieren. Das Gerät kommt schlicht nicht an den Patienten.
  • Die Haftungsfälle: Oft wird pragmatisch der Nachbar mit dem Traktor angerufen. Doch wer haftet? Die Feuerwehr als Einsatzleiter trägt die Verantwortung. Wenn beim Einsatz mit nicht-feuerwehreigenem Gerät Schäden am Tier entstehen oder ein improvisierter Anschlagpunkt reißt, drohen Regressforderungen der Unfallkassen, da nicht nach den „anerkannten Regeln der Technik“ gearbeitet wurde. Diese rechtliche Grauzone ist für Einsatzleiter ein unkalkulierbares Risiko.

3. Die „Fähigkeitslücke“ in Deutschland

Es besteht eine operative Lücke zwischen manueller Kraft und schwerem Großgerät:

  • Manpower: Reicht für Kleintiere, Schläuche und Leinen.
  • Feuerwehrkran (FwK) / Seilwinde: Zieht oft nur horizontal oder kommt wegen des Geländes nicht nah genug heran.

Geografische Schwerpunkte: Besonders in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen (hohe Pferdedichte) sowie in Bayern (Rinderhaltung) stehen Einsatzleiter oft vor dem Problem: Wie hebe ich 800 kg vertikal aus einer Grube oder über eine Böschung, wenn ich mit dem Fahrzeug nicht rankomme? Es fehlt ein mobiles System mit einer Arbeitslastgrenze (WLL) von über 1 Tonne, das tragbar ist.

4. Bautri Rescue: Die technische Antwort

Wir haben das Bautri Rescue System entwickelt, um diese exakte Lücke zu schließen. Es ist kein improvisiertes Hilfsmittel, sondern ein zertifiziertes System für den dualen Einsatz.

Hybride Zertifizierung: Der entscheidende Unterschied

Das System trennt rechtssicher zwei Welten:

  • PSA-Modus (Personensicherung): Zertifiziert nach EN 795 Typ B für die Sicherung von bis zu 3 Personen (z. B. Retter in der Grube).
  • Lasten-Modus (Maschinenrichtlinie): Zugelassen als mobiles Hebezeug mit einer WLL von bis zu 3,3 Tonnen.

Logistische Brillanz durch EN 1065

Das System nutzt keine teuren Spezialbeine, sondern Standard-Baustützen nach DIN EN 1065 (Klasse B/D).

  • Vorteil: Diese Stützen sind auf fast jedem Bauhof oder Rüstwagen verfügbar.
  • Reparatur: Ein verbogenes Bein ist kein wirtschaftlicher Totalschaden, sondern ein günstiges Austauschteil.
  • Höhe: Mit Auszugslängen bis 4,00 m bietet es genug Hubhöhe, um ein Pferd inkl. Geschirr aus einem Schacht zu heben – etwas, das Standard-Dreibeine nicht schaffen.

Ausblick: Erweiterung als Mastkran / A-Frame

Wir entwickeln das System stetig weiter. Aktuell arbeiten wir intensiv an der Zulassung des Systems als Mastkran bzw. A-Rahmen (Zweibein). Dies wird die Einsatzmöglichkeiten an Böschungen und in sehr engem Gelände, wo ein Dreibein keinen Platz findet, nochmals deutlich erweitern.

Vergleich auf einen Blick:

Parameter Standard-Feuerwehrdreibein EGS Standard-Dreibock Bautri Rescue (mit Kl. B/D Stützen)
Max. Traglast ca. 300–500 kg max. 300 kg (3 kN) 3.300 kg (WLL)
Einsatzbereich Nur PSA (Personen) Personen / leichte Lasten PSA & Schwerlast
Arbeitshöhe ca. 2,00 – 2,50 m Variable (aber zeitintensiv) Bis 4,00 m
Material Aluminium (oft) Stahl Stahl (verzinkt)

5. Einsatztaktik & Sicherheit für die Staffel

Die Sicherheit der eigenen Kräfte hat Priorität. Großtiere in Panik haben keinen Bezug zu Rettern – ein Tritt kann tödlich sein.

Gefahrstoffe in der Grube:

Bei der Rettung aus Güllegruben drohen Schwefelwasserstoff (H₂S) und Methan (CH₄).

Bauvorteil: Das System besteht aus verzinktem Stahl S355JR, der robuster gegen aggressive Umgebungen (Ammoniak) ist als Aluminium.

Distanz: Durch die hohe Tragkraft und Höhe kann das Tier sicher angeschlagen und von oben bedient werden, ohne dass Einsatzkräfte permanent im direkten Gefahrenbereich („Kick-Zone“) arbeiten müssen.

6. FAQ – Häufige Fragen zur Beschaffung & Technik

Hier beantworten wir die wichtigsten Fragen für Gerätewarte und Beschaffer.

Wie viel Last hält ein Feuerwehr-Dreibein?

Ein Standard-Dreibein nach EN 795 ist für die Personensicherung konzipiert und hält sich äußerlich ca. 300–500 kg. Für die Großtierrettung (Rinder/Pferde bis 800 kg + dynamisches Lasten) ist dies unzureichend und fahrlässig. Das Bautri Rescue System bietet hierfür eine zugelassene Last von 3.300 kg.

Was kostet ein Großtierrettungs-Set für die Feuerwehr?

Spezialisierte Portalkrane kosten oft über 5.000 bis 10.000 €. Das Bautri Rescue positioniert sich als kosteneffiziente Alternative, da es Baustützen (EN 1065) nutzt und somit die Anschaffungskosten für die Beine eliminiert bzw. auslagert.

Welche Ausrüstung braucht man für Pferderettung?

Neben einem geeigneten Hebesystem (wie Bautri Rescue) sind ein fachgerechtes Hebegeschirr (breite Gurte gegen Kompressionsschäden), eine Kopfsicherung (Halfter/Strick) und veterinärmedizinische Unterstützung (Sedierung) unerlässlich.

Ist Großtierrettung Pflichtaufgabe der Feuerwehr?

In Deutschland gehört die Tierrettung in den meisten Bundesländern (z. B. § 1 BHKG NRW) zu den Pflichtaufgaben bei Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Lebensgefahr für das Tier. Bei landwirtschaftlichen Nutztieren kann der Einsatz oft kostenpflichtig abgerechnet werden, was professionelles, schadenfreies Arbeiten voraussetzt, um Haftungsrisiken zu minimieren.

7. Fazit: Professionalisierung statt Improvisation

Die Zeiten, in denen man sich den Zügel auf Nachbarschaftshilfe und Improvisation verlassen konnte, gehen zu Ende. Strengere Tierschutzgesetze und Unfallverhütungsvorschriften (DGUV Vorschrift 49) zwingen Feuerwehren zur Professionalisierung.

Das Bautri Rescue System ist für Kommunen die Begründung der Investition: Es deckt die gesetzliche Pflicht zur Menschenrettung (PSA) ab und bietet gleichzeitig die Power eines Krans für die Tierrettung – alles verpackt in einem System, das auf dem Rüstwagen Platz findet und die vorhandenen Baustützen nutzt.

Investieren Sie in Rechtssicherheit und Tierschutz.

Weitere Informationen zum Bautri Rescue

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